Hi, ich bi Nele und das ist mein erster Beitrag in dem ich meine Erfahrungen aus einem Leben mit ADHS und Autismus teile. Vorneweg sei einmal gesagt: JEDE NEURODIVERGENTE PERSON IST UND FÜHLT ANDERS. Das heißt das dass,, was ich hier beschreibe, kann der Fall sein und kann helfen, muss aber nicht. Und das ist voll normal und okay. Ihr seid herzlich eingeladen euch meinen stuff anzuhören und dann das mitzunehmen, was euch was bringt und was euch nicht juckt gekonnt links liegen zu lassen.
Da ich, wie viele andere Autisten, Smalltalk überbewertet finde, komme ich direkt zu meinem ersten Thema. Was jetzt kommt ist übrigens mein erstes Thema geworden, weil ich die letzten Tage aktiv drunter gelitten habe und einen Overload* nach dem anderen hatte.
Das Thema sind Reize und Hitze! (Wer hätt‘s geahnt, steht ja im Titel)
Hitze ist für fühle neurodivergente Personen, grade mit Autismus ein bekanntes Problem. Um das zu verstehen, sollte vielleicht erst noch einmal erwähnt werden, wie sensibel neurodiverse Personen auf Reize von außen reagieren. Welche Reize sich angenehm oder stressig anfühlen, ist glaube ich bei jeder Person unterschiedlich, obwohl es natürlich auch viele Gemeinsamkeiten gibt.
Wieder paar wenige Beispiele von mir (Listen und Aufzählungen sind toll, oder?)
- angenehm: Gerüche die Ich kenne (z.b. frische Buchseiten), flauschige Kuscheldecke, Yorkshire Tea mit Milch und einem Löffel Zucker, Musik die ich in und auswendig kenne, bestimmte Haptiken (wie z.b. poliertes Holz)
- unangenehm: Axe Deo Geruch, wenn meine Klamotten nicht zu meiner Stimmung passen, Hall von vielen Stimmen, Sand an meinem Körper, Wind (obwohl ich ihn cool finde), und eben Hitze
Solche angenehmen Sachen können übrigens auch Skills sein. Also Sachen, die bei Anspannung helfen um ruhiger zu werden. Generell können sie den unangenehmen Sachen entgegenwirken. Ich habe zum Beispiel immer Lavendel-Spray neben meinem Bett. Falls es an dem Ort, wo ich schlafe dann irgendwie nich gut riecht, bin ich gewappnet.
Genauer gehe ich auf diese ganzen positiven und negativen Reize mit der Zeit noch ein. Aber starten wir, wie gesagt erstmal mit Hitze
Ich bin leider in eine Familie hineingeboren worden, in welcher Wärme das schönste ist. Der Strand der größte Freund. Der Sommerurlaub unbedingt im Süden zu verbringen. Ich bin die älteste der jüngsten Generation und in vielen Bereichen sehr anders. Zum Beispiel in diesem. Für mich fühlt sich Hitze an, wie sich für ein Auto fühlen muss, wenn die Kühlung des Motors nicht mehr funktioniert. Das Gleichgewicht ist aus der Bahn gebraucht und alle meine anderen Sinneswahrnehmungen sind eingeschränkt.
Wieder ein Beispiel: Ich laufe eine Straße entlang nach Hause. Es sin 30 Grad und die Sonne knallt auf den Bürgersteig. Wenn ich diese Situation nicht verhindern kann stellt sich mein Körper auf eine extreme Reizüberflutung rein. Die einzige Mission ist nun: Einen Schritt vor den anderen setzen und nach Hause kommen, um diese Quest so schnell wie möglich abzuschließen. Ich gucke nach unten und konzentriere mich auf diese Aufgabe. Alles an „mehr dazu nachdenken“ wäre zu viele. Ein Overload wartet nur darauf zuzuschlagen und ich will aus der Situation raus sein, bevor das passieren kann. Zusätzliche Reize, grade unerwartete sind daher tödlich. Wenn ich zum Bespiel immer noch in einer sozialen Situation bin oder komme, weil mir jemand etwas zu ruft. Wenn ich mich generell in einer großen Menschenmasse befinde (für meine Atzen, Hallo Alexanderplatz…) oder oder oder.
Wir sind uns also einig: Gefährliche Situation! Was kann man gegen zu starke Hitze tun? Hier meine bisherigen Erfahrungen:
Zu Hause:
- Ventilator (Klimafreundlicher als Klimaanlage und wirkt wunder)
- Immer Eiswürfel und Wassereis im Kühlschrank haben
- Sich, wenn möglich, vom Tagesplan her drauf einstellen (wie in Italien: Morgens Arbeiten, Mittagshitze über Pause und Abends wieder was machen)
- Fenster zuziehen, bevor man geht (ik basic, aber trotzdem sag ich‘s nochmal
- Wenn alle Strike Reißen in Garage oder Keller gehen. Mit Sitzsack/Picknickdecke/Stuhl und Lieblingsbuch/Serie geht das meine Freunde
- Kalte Dusche oder Gartensprenger
Unterwegs:
- Kleine Reisesprühflasche mit Wasser füllen und mitnehmen (mit Wasserflasche schnell aufzufüllen^^)
- Termoswasserflasche mit Eiswürfeln
- Cape und das gegebenenfalls ab und zu mit Wasser nass machen
- Pulswärmer oder Sportstulpen nass machen (passt auf, das kühlt echt sehr und kann auch zu viel sein. Ich lag mal mit nassen Sportstulpen bei 40 Grad im Schatten und habe gefrohren)
- Je nach Komfort(!!!), aber ich bevorzuge dünne Lange Kleidung vor Kurzer
- Sonnenschirm
- Sonnencreme (nur wegen Sonnenbrand und so. Ich hasse auch das Gefühl die drauf zu haben!! Trotzdem wichtig meine Freunde)
Die „zu Hause“ Sachen sind natürlich mit „Unterwegs“ kombinierbar 😉 Generell rate ich, möglichst wenig zu machen, was logisch vielleicht sinnvoll wäre, aber Gefahr hat zu überfordern. Zum Beispiel alle diese Sachen gleichzeitig ausprobieren. Lieber Stück für Stück, wenn ihr euch danach fühlt 🙂
Das soll es auch erstmal gewesen sein. Ich freue mich auf eure Erfahrungsberichte und hoffe, es hilft manchen weiter^^
PS: Mein nächster Beitrag handelt höchstwahrscheinlich vom Thema „Reisen“